Halbtageswanderung

Spätsommer über Achern: Halbtageswanderung vom 21. September

13 Kolpingmitglieder trafen sich am Samstagnachmittag vor dem Haus Alban Stolz und fuhren in drei Autos nach Achern auf das zeitgeschichtlich höchst spannende Gelände der Illenau. Die 1842 außerhalb des Städtchens als imposante und raumgreifende Gesamtanlage erbaute Heil- und Pflegeanstalt mit den zeitweise europaweit fortschrittlichsten Therapiemethoden beherbergte auch prominente psychisch Kranke aus dem In- und Ausland. Die Schließung erfolgte 1940, nachdem die Kranken im Zuge der nationalsozialistischen „Rassenhygienegesetze“ ermordet worden waren. Danach dienten die Gebäude als „Reichsschule für Volksdeutsche“ und nach dem Krieg bis 1994 als Kaserne der französischen Streitkräfte.

Privatpersonen und Fördervereine, zuletzt auch die Stadt bemühten sich um eine sinnvolle Wiederbelebung der allein in ihren Dimensionen beeindruckenden und architektonisch attraktiven Anlage. Nach zahlreichen Umbauten sowie privatwirtschaftlichen und öffentlichen Investitionen werden die Häuser heute u. a. als Rathaus der Stadt Achern genutzt, da zudem die städtischen Wohnviertel längst das Areal der Illenau erreicht haben. Darüber hinaus entstanden Wohnungen für unterschiedliche Zielgruppen, kulturelle (Theater), öffentlich-soziale (Festsaal, Begegnungsstätten, Kindergarten) und sportliche Einrichtungen (Boule-Platz) sowie diverse Büros für unterschiedliche Unternehmen. Das dort angesiedelte Bistro zeichnet sich neben seinen hohen Besucherzahlen durch praktizierte Inklusion beim Personal aus.

All diese Infos lieferte Christoph Schmidt vor dem Start der Wandertour, die er auch ausgesucht und zusammen mit Andrea Groll organisiert hatte. Sie führte im Schatten alter Bäume über kurvige Serpentinen und auf urigen Wegen, vorbei an einem See mit Schildkröten und einer kleinen Schlucht. Immer wieder gab es sonnige Ausblicke ins Tal, beispielsweise am „Jockele Guck“: Der Name soll aus dem 30jährigen Krieg stammen, als ein schlafender Wächter mit diesem Ausruf an seine Dienstpflicht erinnert wurde. Auch in späteren Jahrhunderten, die bekanntermaßen in kurzen Abständen immer wieder kriegerisch waren, wurde dieser Ort als Alarmpunkt bei herannahenden Feinden benutzt und ständig mit Wachleuten besetzt.

Friedliche Momente und Eindrücke boten der keltische Baumpfad sowie ein Obstlehrpfad. Einen weiteren prächtigen Blick übers Tal bot der Bienenbuckel, dessen Steilhänge der schweren Arbeit wegen nicht mehr komplett mit Reben bepflanzt werden. Zum gemütlichen Abschluss traf sich die Wandergruppe im „Braustüble Hanauer Hof“. Einmütig stellten die Teilnehmer fest, dass so ein Halbwandertag seinen eigenen und besonderen Reiz hat.

 


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30. September 2019
Anita Hermann